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Sichuan-Operngastspiel aus China am Staatstheater Wiesbaden

2012-05-24
 

Wenn sich heute Abend bei den Maifestspielen der Vorhang des Großen Hauses für das Gastspiel der Chongqing Sichuan Oper und ihrer Inszenierung „Der Kreidekreis" hebt, dann kennt einer das Stück quasi Wort für Wort: Stephan Steinmetz, Opern-Dramaturg am Wiesbadener Theater, wird die deutsche Übertitelung bedienen. Er hat auch eigens für die beiden Aufführungen der klang- und farbenprächtigen Oper heute und morgen - eine Europa-Premiere, die auch im Zusammenhang mit dem Kulturjahr Chinas in Deutschland steht - die Übersetzung der chinesischen Texte geschrieben. Und das war freilich gar nicht so leicht...

„Es gab keinen Klavierauszug", erläutern Stephan Steinmetz und Karin Dietrich von der Opernleitung im Gespräch. Aber immerhin: Es gab eine Vorlage, in der die chinesischen Schriftzeichen schon mal ins Englische übertragen wurden. Allerdings mitunter mit recht geheimnisvollen und missverständlichen Formulierungen. „Wir hatten die Hoffnung, das wir in der Übersetzung auf die Brecht'schen Texte stoßen würden - aber das hat sich nicht bewahrheitet", sagt Karin Dietrich. Denn Bertolt Brecht bezog sich in seinem „Kaukasischen Kreidekreis" auf eine ursprünglich chinesische Erzählung - und die Oper Chongqing sich nun wiederum in der Inszenierung ihrer künstlerischen Leiterin Shen Tiemei auf Brecht.

Also wurde eine DVD-Aufzeichnung der gut zweistündigen Aufführung in China für Stephan Steinmetz zur wichtigsten Quelle. „Da hat mir bei der Übersetzung schon geholfen, dass in dieser Opernform sehr viel Wert auf gestischen und mimischen Ausdruck gelegt wird - dadurch konnte ich die englischen Texte des hoch emotionalen Geschehens in den Gesichtern wiedererkennen", erläutert Steinmetz. Eigentlich sei die Sichuan-Oper ein Schauspiel mit Musik. Mit geschminkten Gesichtern, üppigen Kostümen und einer sehr fremden Musik, die stark perkussiv geprägt sei.

Es gebe auch Arien - aber eben auch längere Textpassagen - je länger, desto schwieriger für die Übersetzung. Auch am Abend selbst: Dann muss Steinmetz sozusagen auf „Ballhöhe" bleiben, wenn er die Übertitelung „fährt" und die Knöpfe mit den vorbereiteten Textzeilen im passenden Moment drückt. Aber das ist ja generell ein wichtiger Aspekt bei diesem Service für den Theaterbesucher: „Das Timing muss stimmen", sagt Karin Dietrich. Schließlich wäre es eher schlecht, wenn beispielsweise bei einer Komischen Oper der Witz schon im Übertitel stattfindet - und noch gar nicht auf der Bühne. Und: Es darf auch nicht zu viel Text sein, damit das Publikum nicht nur noch nach oben schauen muss. Die Übertitelung soll schließlich helfen, das Geschehen zu verstehen, und nicht stören.

Dass die Opernleitung selbst die Apparatur bei einer Aufführung bedient, ist übrigens keine Seltenheit: Auch Karin Dietrich drückte beispielsweise bei „Figaros Hochzeit", dem Maifestpiel-Gastspiel von Australiens „Co-Opera", am Samstag in der Wiesbadener Kurpark-Muschel die Knöpfe. Und das auch bei widrigen Umständen: Als es in der Pause anfing zu regnen, versagte der Beamer seine Dienste und man baute flugs einen Rechner-Verschlag. Sozusagen im Blindflug steuerte Karin Dietrich von dort aus durch die Aufführung - und das funktionierte, weil sie diese Oper eben gut kennt. Auch dafür wurde übrigens eine eigene Text-Fassung vom Staatstheater erstellt, ebenso wie für die Gastspiele aus Tel Aviv. Redewendungen würden dabei, so Dietrich, freier gehandhabt, „damit sich die Aussage transportiert". Schwierig bei chinesischen Redewendungen - aber das 60-köpfige Ensemble hat auch eine Übersetzerin dabei, die schaut sicher bei der Probe heute noch mal drüber...

( Quelle:Wiesbadener Tageblatt, Autorin:Birgitta Lamparth)

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