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Pianist Lang Lang begeistert in Bonner Beethovenhalle

2012-03-05
 Fast 2000 Menschen sind zu dem Sonderkonzert des Beethovenfestes am 3.März in die seit langem ausverkaufte Halle gekommen. Unter den Pianisten ist Lang Lang ohne Frage der größte Star seit Robinstein und Horowitz.

              Souveräner Weltstar: Lang Lang bedankt sich für die Standing ovations.

Der chinesische Pianist Lang Lang ist ein Siegertyp. Um das festzustellen, muss man gar nicht erst die wahrscheinlich blendenden Bilanzen seines Managements bemühen. Es reicht vollkommen, ihm beim Gang zum Klavier zuzuschauen: Zügig schreitet der in einem schicken, modischen Anzug gekleidete Pianist die auf dem Podium der Beethovenhalle zusätzlich eingerichteten Sitzplätze ab; die Handflächen nach innen gekehrt, grüßt er rechts, grüßt links und nimmt am Steinway Platz.

Musikalisch gab sich Lang Lang, zumindest in der ersten Programmhälfte, eher introvertiert. Mit Bachs Partita in B-Dur und Franz Schuberts später Klaviersonate in derselben Tonart bringt man sein Publikum nicht zur Raserei. Hier kommt es auf die leisen Töne an. Schon mit Bachs Klavierwerk zwang Lang Lang zum Hinhören. Die Verzierung, mit der das Thema des Präludiums anhebt, wirkte leicht, beinahe schwerelos.

Lang Lang ist kein Barock-Purist. Die Klangwirkungen, die er an Bachs Musik vollbringt, sind in diesen Nuancen auf dem dynamisch starren Cembalo, für das der Komponist die Partiten geschrieben hat, gar nicht möglich. Auch die romantische, ätherische Stimmung, in die Lang Lang die Sarabande taucht, nicht. Das von Bach durchaus motivisch begründete Überschlagen der Hände in der finalen Gigue zelebriert Lang Lang mit unglaublich elegantem, tänzerischem Schwung.

Schuberts B-Dur-Sonate zu spielen, scheint für einen Virtuosen ein bisschen an Selbstverleugnung zu grenzen. Doch das beinahe gänzliche Fehlen rasanter Läufe, Sprünge und anderer Hexenkünste heißt nicht, dass man mit der Sonate leichtes Spiel hätte. Es war denn auch die vielleicht größte Überraschung an diesem Abend, zu erleben, welche Tiefe Lang Lang der Schubert'schen Musik zu geben imstande ist. Lang Lang nimmt sich Zeit. Das molto Moderato des ersten Satzes siedelt er eher am unteren Ende der Temposkala an. Zudem besitzt er den Mut, die extrem lange Exposition zu wiederholen (wovor sich selbst ein Alfred Brendel immer scheute). Aber er gestaltet die Musik so subtil, so fein, dass sie nie eintönig wird.

Die sehr kantabel geführten Stimmen der linken und der rechten Hand im zweiten Thema gewichtet er immer wieder neu. Als Lang Lang nach dem ausladenden ersten Satz nach einem weißen Tuch griff, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen, wurde das von Teilen des Publikums als Einladung für einen heftigen Zwischenapplaus verstanden. Es brauchte daher ein bisschen, bis sich der 29-jährige Pianist für den langsamen Satz gesammelt hatte, den er zum Weinen schön spielte. Wenn Schuberts Musik so klingt, ist sie Trauer und Trost zugleich. Die ausgelassene Fröhlichkeit vor allem des Schlusssatzes hat dann etwas Verzweifeltes. Zumal wenn man ihn dynamisch so ausreizt, wie Lang Lang es in seiner grandiosen Interpretation tat.

Der zweite Konzertteil zeigte den vertrauten Lang Lang, den Virtuosen nämlich, der sich an Chopins zweitem Etüden-Zyklus op. 25 abarbeitete. Die technischen Hürden, die der Komponist hier errichtet, sind gewaltig, für Lang Lang aber scheinbar nicht vorhanden. Die muntere Haltung der Nr. 3 in F-Dur oder den entspannt swingenden Rhythmus der vierten in a-Moll trifft er ebenso wie er den schwierigen Anschlags-Anforderungen der "Schmetterlings"-Etüde (Nr. 9 Ges-Dur) gerecht wird. Am eigenwilligen Ende der Nr. 5 in e-Moll lässt Lang Lang die rechte Hand gleichsam himmelwärts schweben, um sie dann wieder langsam auf die Tasten herabsinken zu lassen, wo die Finger dann mit dem Trillermotiv der Nr. 6 in gis-Moll ihre Arbeit fortsetzen.

Ein bisschen Show muss eben auch sein. Das bedeutet freilich nicht, dass deshalb die Poesie der folgenden cis-Moll-Etüde verborgen bliebe. Das Publikum, das bereits zwischen den Sätzen einige Male applaudiert hatte, stand nach der letzten Etüde geschlossen auf und erklatschte sich noch eine kleine Liszt-Romanze als Zugabe.

 

(Quelle: General-Anzeiger,Autor:Bernhard Hartmann )

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