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Generalkonsul Liang Jianquan spricht mit Stuttgarter Zeitung

2015-06-08

Am 29. Mai sprach Herr Generalkonsul Liang Jianquan in einem Interview mit Stuttgarter Zeitung schwerpunktmäßig über das Initiative Chinas über den Aufbau von "Ein Gürtel und eine Straße". Das am 8. Juni veröffentlichte Interview mit dem Titel "Die Seidenstraßeninitiative ist offen für alle" hat folgenden Wortlaut:

 

Herr Liang, was genau steckt hinter der so genannten Seidenstraßeninitiative?

Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Ländern in Asien, Europa und Afrika zu intensivieren. China setzt damit seine Öffnung umfassend und vertiefend fort und gestaltet mit anderen Staaten so eine Interessens- Schicksals- und Verantwortungsgemeinschaft.

Über wie viele Länder reden wir?

Das betrifft vor allem mehr als 60 Länder entlang der Seidenstraße mit einem Bevölkerungsanteil von 63 Prozent der Weltbevölkerung und beschränkt sich jedoch nicht darauf. Die Seidenstraßeninitiative ist ein ganz neues Modell der internationalen Zusammenarbeit.

Wo ist der räumliche Beginn und das Ende?

Die Initiative hat keine räumliche Grenze. An einem Ende befindet sich der dynamische asiatische Wirtschaftskreis, am anderen Ende der hoch entwickelte europäische Wirtschaftskreis. Es ist ein offenes Projekt, kein geschlossenes. Jeder der will kann sich daran beteiligen, und gemeinsam können alle davon profitieren.

Und wie sieht es mit der zeitlichen Perspektive aus?

Die Entwicklung kennt keine zeitliche Grenze. Die Aufgabe ist gigantisch und sehr langfristig angelegt.

Kritiker sagen, China will mit dieser Initiative eigene Überkapazitäten abbauen und in anderen Ländern die Infrastrukturprojekte mit eigenen Firmen und Arbeitern realisieren.

Eine Befürchtung dieser Art ist nicht begründet. Voraussetzung für die Initiative ist eine umfassende und eingehende politische Kommunikation. Zum zweiten hat der Aufbau eines Infrastrukturnetzes Priorität und der Abbau von Handelsbarrieren – sowie ein freier Kapitalverkehr. Die Initiative ist nicht vor dem Hintergrund des Denkens entstanden, wie es im Kalten Krieg einmal war. Die Zusammenarbeit mit den Anrainerstaaten richtet sich nach gegenseitigen Bedürfnissen und Möglichkeiten. Die Regierungen sollen Entwicklungen nur fördern. Dann agieren die Unternehmen als Hauptakteur, und zwar – das ist sehr wichtig – nach dem Marktwirtschaftsprinzip.

Sie haben die politische Kommunikation angesprochen. Die ist zwischen Russland und Europa in der Vergangenheit nicht gut gelaufen. Sie haben es auch mit Russland zu tun. Kann China das besser machen?

Die Seidenstraßeninitiative wird zur Vermehrung von Gemeinsamkeiten und gegenseitigem Vertrauen beitragen und damit eine bessere Atmosphäre schaffen um bestehende Probleme beizulegen und neue gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie wird nicht von China als herrschender Macht gestaltet. Sie ist kein Soloauftritt sondern ein Zusammenspiel der daran Beteiligten.

Das gilt auch für die maritime Seidenstraße?

Ja. Noch einmal: Das Projekt ist kein geopolitisches Instrument eines Staates. Der Kalte Krieg ist vorbei. Wir brauchen gegenseitigen Respekt und Zusammenarbeit für eine solide Stabilität und Frieden und gemeinsame Entwicklung. Und wir sagen: Wenn alle gemeinsam Reisig sammeln, dann brennt das Feuer höher.

Von Peking nach Stuttgart sind es etwa 8000 Kilometer. Wie profitiert Deutschland von dem Projekt?

Deutschland als wirtschaftsstärkste Nation in Europa kann deutlich davon profitieren. Im Rahmen der Seidenstraßeninitiative braucht man erleichterte Finanzierung, moderne Anlagen und umweltfreundliche Technik. Das kommt der deutschen Exportindustrie sehr zu Gute. China begrüßt die aktive Beteiligung Deutschlands. Die Unternehmen beider Länder können sich gut ergänzen und gemeinsam die Märkte der Drittländer – mit deren Einverständnis- erschließen.

Fünf Mal die Woche fährt ein Zug von Chongquin nach Duisburg, aber der fährt nur ein Mal die Woche beladen zurück. Wird sich das ändern?

Direkte Zugverbindungen zwischen China und Deutschland gibt es auch von Duisburg nach Changsha und aus der Provinz Henan nach Hamburg. Im vergangenen Jahr hat es insgesamt 308 direkte Zugverbindungen zwischen China und Europa gegeben, eine Steigerung von 285 Prozent. Bisher rollen noch mehr volle Waggons von China nach Deutschland als anders herum, aber auch in Richtung Osten hat der Verkehr zugenommen. Es ist unser Wunsch, dass das Wachstum weiter anhält.

(Quelle: Stuttgarter Zeitung, den 8. Juni 2015)

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