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Generalkonsul Liang Jianquan spricht mit der "Frankfurter Neue Presse"

2015-06-03

Am 27. Mai besuchte Herr Generalkonsul Liang Jianquan die Redaktion der Frankfurter Tageszeitung "Frankfurter Neue Presse" in Galluswarte, sprach mit dem Chefredakteur Rainer M. Gefeller und den Redakteuren verschiedener Ressorts über die Beziehungen zwischen China und der Stadt Frankfurt am Main, die chinesische Wirtschaftsentwicklung und Umweltprobleme, die Menschenrechtslage in China und die Seidenstraße-Initiative Chinas. Die Veröffentlichung des Gesprächs ist wie folgt:

Frankfurt. Etwa 5000 Chinesen leben im Rhein-Main-Gebiet, etwa 20 000 in Hessen. Sie arbeiten teils in chinesischen, teils in deutschen Unternehmen, sind in der Tourismusbranche aktiv, betreiben Restaurants oder sind als Wissenschaftler tätig. Um ihre Belange kümmert sich das Generalkonsulat der Volksrepublik China in Frankfurt. Es verlängert Pässe oder hilft in notariellen Angelegenheiten. „Mein Eindruck ist: Die Chinesen fühlen sich hier wohl und führen ein gutes Leben", sagt Generalkonsul Liang Jianquan.

Der 53-Jährige ist vor einem Jahr an die Spitze des Generalkonsulats berufen worden. Seitdem hat er Frankfurt näher kennengelernt und schwärmt: „Für uns Chinesen ist Frankfurt wegen des Flughafens das Tor zur Bundesrepublik Deutschland und zu Europa." Liang schätzt es , dass in der Mainmetropole viele Ausländer leben. „Ihre Präsenz hat zur einer großen Vielfalt, zur Prosperität und Entwicklung beigetragen. Der Grad der Internationalisierung in der Stadt hat mich außerordentlich beeindruckt." Liang lobt die „sehr niveauvollen Museen", die Frankfurt „einen besonderen Charme" verliehen.

Der Diplomat – verheiratet, ein Sohn – spricht ausgezeichnet Deutsch. Er erwähnt im Gespräch den „Faust-Verfasser Johann Wolfgang von Goethe", äußert sich zum Unterschied zwischen den Finanzplätzen Frankfurt und London („Frankfurt ist stärker der Realwirtschaft verbunden") und fachsimpelt über die „schwer verständliche Mundart" in der Schweiz. Zur Mentalität der Deutschen sagt er: „Es gibt viele Gemeinsamkeiten mit Chinesen: Beide Völker sind fleißig, sparsam und diszipliniert."

Es ist Liangs zweiter längerer Aufenthalt in Deutschland. Von 1986 bis 1991 war er in der chinesischen Botschaft in Bonn tätig gewesen. Anschließend wirkte er insgesamt neun Jahre als Diplomat in Wien, kehrte zwischendurch in seine Heimat zurück, um im chinesischen Außenministerium, in der Europaabteilung, zu arbeiten. Danach wurde er zum Generalkonsul in Zürich berufen.

Anders als ein Botschafter ist ein Generalkonsul nicht vorrangig mit diplomatischen Aufgaben vertraut. Im chinesischen Generalkonsulat in Frankfurt unterstehen Liang etwa 40 Mitarbeiter, die Ansprechpartner für chinesische Staatsbürger in vier Bundesländern sind, außer Hessen noch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Auch für chinesische Touristen in Notlagen ist das Konsulat da. Außerdem erteilt es Visa für Deutsche, die nach China reisen wollen. Im vergangenen Jahr stellte es 150 000 Mal eine Einreiserlaubnis aus. Das waren die Hälfte aller chinesischen Visa in Deutschland.

Ein Generalkonsul muss aber trotzdem über alle wesentlichen politischen Entwicklungen Auskunft geben können. Liang sprach bei einem Besuch in der Redaktion dieser Zeitung vor allem über die wirtschaftlichen Verhältnisse in China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst seit Jahren überdurchschnittlich, aber die Chinesen plagen große Umweltprobleme. Der Smog über großen Metropolen oder vergiftete Flüsse sind nur zwei Beispiele dafür, zu was ungezügeltes Wirtschaftswachstum führen kann.

Liang sagt: „China ist in eine Phase eingetreten, wo wir darauf achten müssen, wie wir unsere Wirtschaft nachhaltig, umweltfreundlich, ressourcensparend gestalten können." Die Regierung in Peking sei dabei, die Entwicklung des Landes in diese Richtung zu steuern. Außerdem gebe es die Herausforderung, die Kluft zwischen entwickelten und unterentwickelten Gebieten, zwischen Reichen und Armen, zu verringern. Die Regierung habe entsprechende Strategien verabschiedet.

Generalkonsul Liang vermag es, die Politik seiner Regierung sehr redegewandt darzulegen. Er berichtet, die kommunistische Zentralregierung sei dabei, staatliche Kompetenzen an untere Ebenen abzugeben. „Je weniger sich die Regierung in die Wirtschaftstätigkeiten einmischt, desto besser. Diese Maßnahmen bringen ein nie dagewesenes Unternehmertum in China. Die Zeit der Planwirtschaft ist ein für alle Mal vorbei." Ausländische Investitionen seien willkommen.

Aber steht die Modernisierung der chinesischen Wirtschaft nicht im Kontrast zur gesellschaftlichen Entwicklung? Wie steht es vor allem um die Lage der Menschenrechte, die zum Beispiel von Amnesty International ständig massiv kritisiert wird? Werden nicht Andersdenkende in China verfolgt?

Generalkonsul Liang hat auch darauf eine Antwort: „Die Lage der Menschenrechte in China hat historisch gesehen eine nie dagewesene Verbesserung erfahren." Dies erkenne man daran, dass im vergangenen Jahr 100 Millionen Chinesen ins Ausland gereist seien. Einige Hundert Millionen Menschen seien in den vergangenen Jahrzehnten aus der absoluten Armut herausgeholt worden. „Wenn man von Menschenrechten spricht, dann muss man das anerkennen.", sagt er.

Und wie steht es um die Meinungsfreiheit? Liang: „Unsere Verfassung garantiert sie, unsere Presse berichtet sehr offen. Es gibt Regierungsbeamte, die durch die Aufdeckung von Defiziten durch die Medien ihre Ämter verloren haben und ins Gefängnis mussten." Aber warum wird das Internet vom chinesischen Staat überwacht und reglementiert? Liang sagt: „Jeder Staat hat seine Gesetze, auf welche die Staatsbürger zu achten haben. Das betrifft auch das Internet."

Ein wichtiges Anliegen ist Liang das Projekt, einen Wirtschaftsgürtel entlang der historischen Seidenstraße aufzubauen. Nach Vorschlag der chinesischen Regierung soll entlang der historischen Handelsroute die Infrastruktur - Schienen, Autobahnen, Häfen oder Flughäfen - verbessert werden. Damit soll der Handel von China bis zum Mittelmeer intensiviert werden. „Das Ziel ist auch, einen Austausch der Menschen zu fördern", sagt Liang.

(Quelle: Frankfurter Neue Presse, den 30. Mai 2015)

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