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Kanton-Oper verzauberte die zahlreichen Besucher in der Kaiserslauterer Fruchthalle

2013-06-20

Als ob die Darstellerin Flügel hätte: Szene aus dem Akt "Klage vor dem Richter des Jenseits".

VON REINER HENN

Die "Brillanz der Kanton-Oper" - so lautete der Werbeslogan der Deutschlandtournee – verzauberte am Mittwoch die zahlreichen Besucher in der Kaiserslauterer Fruchthalle. Ministerium für Kultur der Volksrepublik China, Generalkonsulat in Frankfurt und chinesisch-deutscher Förderverein Kaiserslautern veranstalteten die im wahrsten Sinne des Wortes spektakuläre Bühnenaufführung: Entsprechend groß war die Präsenz von deren Vertretern. Euphorisch war die Reaktion des Publikums auf das Gezeigte Musik, Choreographie, Tanz und Artistik (so auch gespielte Kampfszenen mit Waffen) sowie die sehr aufwendige Ausstattung mit historischen Kostümen und Masken ließen ein Gesamtkunstwerk entstehen, das mit unseren spätromantischen Opern verglichen werden kann. Die Kanton-Oper aus Foshan in der Südchinesischen Provinz Guangdong wurde 1957 gegründet und hat sich ein internationales Ansehen erworben. Sie verarbeitet in den aufwendigen, sehr kunstvoll bearbeiteten Aufführungen traditionelle Stoffe aus vier großen chinesischen Volkslegenden.

Im ersten Teil des Programms gaben verschiedene Szenen rund um klassische Legenden und Mythen Einblicke in eine oft allegorische Ausdeutung: Während sich in Europa die Oper in der Entstehungszeit aus der Florentiner Camerata aus Dichtern, Musikern, Philosophen und Vertretern des Adels entwickelte, war die chinesische Oper zunächst volkstümlich. Das erklärt die Verwendung dieser beliebten Stoffe, die als Fabel und Parabel oft auch volkserzieherisch wirkten. Da traten am Mittwoch in der Fruchthalle beispielsweise verkleidete Fabeltiere auf. In den Allegorien erschienen dagegen Personen zur Charakterisierung von Eigenschaften und Tugenden. Abstrakte Begriffe nahmen so Gestalt an.

Das alles war durch das Einblenden von deutschen und chinesischen Untertiteln und Erläuterungen auf der Leinwand gut nachvollziehbar. Dabei bildete die Musik des exotischen Instrumentariums mit ungewohnten Tonsystemen mit der dargestellten Handlung eine vollkommene Einheit. Symbolträchtige Kostüme, Masken und Requisiten sowie die tänzerisch einbezogenen Waffen ergaben nicht nur ein kunterbuntes Bild, sondern deuteten auch diese Stoffe sehr kunstvoll aus.

Dabei zeigten eine hoch entwickelte Artistik mit Salti und anderen akrobatischen Einlagen sowie der sehr kunstvoll verfeinerte Ziergesang eine inzwischen elitäre Kunst. Wie in dem Vorläufer unserer Oper, der Monodie, gibt es in den Aufführungen der Kanton-Oper auch sensible, ausdrucksstarke Textvertonungen, die deren Stimmungen und Tonfall melodisch wiedergeben. Das war am Mittwoch in vielen eindrucksvollen Szenen zu erleben. Wie in der europäischen Kunstmusik gibt es auch von den Aufführungen der Kanton-Opern volkstümliche Elemente, die einbezogen, aber verfeinert werden. Die besondere Klangfarbe der zweisaitigen chinesischen Geige, Erhu, bestimmten melodisch die Musik. Rhythmisch sorgten Gongs und Trommeln für die zum turbulenten Bühnengeschehen passenden zeitlichen Abläufe. Episoden, die sich um einen kleinen Kuh-Hirten rankten, ritualisierten den täglichen Auf- und Abtrieb der Herde. Die Aufführung mit der "Klage vor dem Richter des Jenseits" verarbeitete theologische Fragen in komplexer Art und Weise.

Nach der Pause fanden diese kultursoziologisch wertvollen Beiträge in der "Legende der weißen Schlange" ihren Höhepunkt: Zwei Schlangen dürfen nach tausend Jahren der Läuterung nach den Lehren Buddhas menschliche (weibliche) Gestalt annehmen. Die weiße Schlange verliebt sich in einen Mann, der ihr beisteht, und heiratet ihn. Doch sie muss eine Intrige überstehen, um zu ihrer Familie zurückzufinden.

Die dramatisch aufgebaute Legende wurde mit allen Stilmitteln der Kanton-Oper zu einem faszinierenden Erlebnis. Typisch waren dabei die stilisierten Gegensätze aus weiblicher, gleichsam schwebender Grazie und Anmut einerseits und der kraftvoIlen Kampfszenen der Männer andererseits. Eine grandiose Aufführung von langem Nachhall.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ, den 20. Juni 2013)

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